Was mich zurzeit beschäftigt....

Ein Wort von Alfred Delp, Jesuit, hingerichtet am 2. Februar 1945 in Berlin-Plötzensee, gibt mir in diesen Wochen Mut und Kraft:

„Lasst uns dem Leben trauen, weil Gott es mit uns lebt.“

Dieses Wort steht in Kontrast zum Krieg, der mitten in Europa vom Zaun gebrochen wurde, ohne Rücksicht auf Menschenleben. Russland überfällt die Ukraine. Menschen werden getötet, ermordet, geradezu verheizt, wenn wir auch die jungen russischen Wehrpflichtigen mit im Blick haben, die zu Hunderten im Kampf gefallen sind. Das Böse ist da, täglich sichtbar in den Fotos der Medien. Wie können wir damit leben? Mein Glaube gibt mir keine Antwort über den Sinn dieses Geschehens, wohl aber die Zuversicht, dass Er, Gott, mit uns lebt, gerade jetzt. Genau an diesem Punkt meiner Meditation stieß ich heute auf dieses Wort von Alfred Delp.

Wie leben in diesen Tagen? Diese Frage bedrängt viele.

Ich versuche ruhig zu bleiben, gerade weil mich der Zorn ergreift.

Fast unmittelbar meldet sich bei mir die innere Stimme. Ich erkenne die Aufgabe, die uns alle „anruft“, ja in Dienst nimmt. Es sind die vielen Flüchtlinge aus der Ukraine, vor allem Mütter, Omas, Kinder. Bei vielen entwickelt sich eine große Hilfsbereitschaft, quer durch alle Gruppen der Gesellschaft.

Einiges bekomme ich unmittelbar über meinen Bekanntenkreis mit. Drei junge Männer fuhren sofort nach Stettin, um der Caritas bei der Betreuung der ankommenden Ukrainerinnen und ihrer Kinder zu helfen. Ein Mann aus einem Dorf bei Augsburg fährt täglich zum Hauptbahnhof München und holt Geflüchtete ab und bringt sie nach Absprache in die Häuser von Privatpersonen, die den Müttern und Kindern Wohnraum geben. Auch eine kleine Priestergemeinschaft gab ein Apartment ab an eine kleine Familie, eine 30-jährige Mutter mit Kind. In diesen Blitzberichten sehe ich, dass es Menschen gibt, die dem Leben trauen und durch ihre konkrete Hilfe neues Vertrauen aufbauen.

Mir fällt auf, dass in den Medien wichtige Werte neu betont und hervorgehoben werden: Zusammenrücken, Teilen, der Vorrang des Gemeinsamen.

Auf europäischer Ebene hat es zwischen den Staaten einen Ruck gegeben. Für den Erhalt des Friedens muss alles getan werden. Die Stärkung des Friedens als völkerübergreifende Aufgabe führt die Völker Europas wie noch nie zusammen.

Es ist wie eine Zeitenwende. Nichts ist mehr wie vorher. Auf einmal treten Werte neu in den Blick wie die Verantwortung füreinander, für jeden Menschen gleich welcher Herkunft. Eine neue Ernsthaftigkeit entwickelt sich. Sie findet ihren Niederschlag in Haltungen wie Brüderlichkeit, Geschwisterlichkeit, Achtung der Person, Respekt vor dem Denken des anderen, Freiheit und Selbstbestimmung aller, ob einzelner Menschen oder ganzer Völker. Dabei tritt zunächst in den Hintergrund, ob jemand Christ ist oder nicht, gläubig oder nichtgläubig. Es geht um jede einzelne Person. Da bricht etwas Neues auf.

Darum finde ich mich in dem Wort von Alfred Delp wieder. Es löst in mir einen starken Impuls aus und setzt Kräfte frei, mich für andere in Dienst nehmen zu lassen. Das hat viele Konsequenzen.

„Lasst uns dem Leben trauen, weil Gott es mit uns lebt.“

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