Was mich zurzeit beschäftigt....

Der Advent 2018 hat es in sich. Er trifft auf eine gesellschaftliche und auch kirchliche Landschaft, die solchen Turbulenzen ausgeliefert ist, dass es fast keinen Raum gibt für innere und äußere Stille, geschweige denn für eine Erwartung, die sich dem Raum des Ewigen öffnet, bereit, dem göttlichen Geheimnis zu begegnen.

Können wir als Kirche noch so weitermachen wie bisher? Machtmissbrauch, sexueller Missbrauch, Gewissensmissbrauch – es sind Chiffren für Verletzungen und immer wieder auch für ein kriminelles Tun, das so viele Freunde der Kirche ratlos macht. Papst Franziskus spricht in seinem am 20.August 2018 veröffentlichten Brief an das Volk Gottes einige Sätze, die ich ganz an mich heranlassen möchte: Mit Scham und Reue geben wir als Gemeinschaft der Kirche zu, dass wir nicht dort gestanden haben, wo wir eigentlich hätten stehen sollen und dass wir nicht rechtzeitig gehandelt haben, als wir den Umfang und die Schwere des Schadens erkannten, der sich in so vielen Menschenleben auswirkte. Wir haben die Kleinen vernachlässigt und allein gelassen.

Es braucht ein neues Hören innerhalb und außerhalb der Kirche. In einer Zeit, da jeder sich wie im Supermarkt nimmt, was er braucht. In einer Zeit, in der ein manchmal auch unbewusstes Habenwollen, auch ein subkutanes Sich-Bemächtigen des Mitmenschen, manche auch gutgemeinten Handlungen und Reden pervertiert, braucht es Demut, Einfachheit und Geduld, die Bereitschaft, sich zu korrigieren und von anderen korrigieren zu lassen, und vor allem Gebet.

Der urchristliche Ruf – Komm, Herr, komm (Marana tha) – kann öffnen für eine neue Empfänglichkeit, für ein neues Hören auf den anderen und auch Gott selbst.

Es gibt auch heute diese Spuren seiner Gegenwart. Gemeinsam sind sie zu entdecken. Sie erschließen eine stille Freude, die dann gerade so in einen besonderen Advent mündet.

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